Beruflicher Burnout: Symptome, Ursachen, Folgen

Immer mehr Menschen leiden unter einem Gefühl der Erschöpfung, Überforderung und fehlenden Motivation bei der Arbeit. Beruflicher Burnout, den die WHO seit 2022 als arbeitsbedingtes Syndrom anerkennt, resultiert aus chronischem Stress und kann zu körperlicher und emotionaler Erschöpfung, verminderter Leistungsfähigkeit sowie psychischen Erkrankungen wie Depressionen führen. Betroffen sind nicht nur junge Fachkräfte, sondern auch erfahrene Berufstätige. Des Weiteren sind häufig das allgemeine Wohlbefinden und soziale Beziehungen betroffen. Es ist daher von Bedeutung, frühzeitig auf Warnsignale zu achten und passende Maßnahmen zu ergreifen, um einem Burnout vorzubeugen oder es zu bewältigen. Was ist beruflicher Burnout? Wie kann man das Problem diagnostizieren und effektiv damit umgehen? Dieser Artikel beantwortet all Ihre Burnout-Fragen.
Inhaltsverzeichnis
Was ist beruflicher Burnout?
Das berufliche Burnout, auch bekannt als Burnout-Syndrom, wird immer mehr als ein ernstzunehmendes arbeitsbedingtes Gesundheitsproblem anerkannt. Dies beschreibt einen Zustand der Erschöpfung auf körperlicher, emotionaler und geistiger Ebene, der durch anhaltenden beruflichen Stress hervorgerufen wird.
Burnout wird seit dem 1. Januar 2022 von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) in der Internationalen Klassifikation der Krankheiten (ICD-11) als arbeitsbezogenes Syndrom definiert. Es zeigt sich in Form von anhaltender Energielosigkeit, emotionaler Distanz zur Arbeit, einer negativen Einstellung zu beruflichen Aufgaben und dem Gefühl einer verringerten Leistungsfähigkeit.
Zur Feststellung von Burnout können auf wissenschaftlicher Basis entwickelte Messinstrumente verwendet werden, darunter:
- Link Burnout Questionnaire (LBQ) von Massimo Santinello.
Christina Maslach, eine Sozialpsychologin aus den USA, charakterisiert Burnout durch drei wesentliche Merkmale: emotionale Erschöpfung, Depersonalisation (eine negative und zynische Haltung gegenüber Arbeit und Kollegen) sowie ein vermindertes Gefühl von beruflicher Erfüllung und Leistungsfähigkeit. Nicht nur die Arbeitsleistung wird durch diese Faktoren beeinträchtigt, sondern auch das allgemeine Wohlbefinden und die psychische Gesundheit der Betroffenen.
Beruflicher Burnout in Deutschland
Die aktuellen Daten zum beruflichen Burnout in Deutschland zeigen, dass dieses Problem unter Arbeitnehmern immer wichtiger wird. Statistiken aus dem Jahr 2023 zeigen, dass etwa 186.000 Personen wegen Burnout krankgeschrieben waren, was insgesamt 4,7 Millionen Fehltage zur Folge hatte. Außerdem belegen Untersuchungen, dass 20 % der Beschäftigten in Deutschland Anzeichen von Burnout aufweisen; in der Altersgruppe der 20- bis 24-Jährigen ist dieser Anteil am größten. Darüber hinaus äußern 61 % der Beschäftigten die Befürchtung, dass sie wegen Überlastung erkranken könnten. Dies stellt einen Anstieg um 11 Prozentpunkte im Vergleich zu 2018 dar. Die genannten Werte machen deutlich, dass es notwendig ist, dem Thema psychische Gesundheit am Arbeitsplatz mehr Beachtung zu schenken und effektive Maßnahmen zur Burnout-Prävention zu entwickeln.
Symptome eines beruflichen Burnouts
Das Burnout-Syndrom ist ein vielschichtiges Phänomen, das sich nicht durch ein einheitliches Krankheitsbild mit klar definierten Symptomen beschreiben lässt. Es entwickelt sich schleichend über verschiedene Stadien hinweg und äußert sich individuell unterschiedlich. Die Symptome können emotional, psychisch und körperlich sein, aber auch psychosomatische Beschwerden umfassen.
Zu den ersten Anzeichen eines beruflichen Burnouts gehören anhaltende Erschöpfung, zunehmende Arbeitsunlust, soziale Isolation und das Gefühl, überfordert zu sein. Betroffene erleben ihre Arbeit als belastend und sinnlos, entwickeln eine distanzierte oder gar zynische Haltung gegenüber Kollegen und Kunden und ziehen sich zunehmend aus sozialen Beziehungen zurück. Häufig kommt es zu Reizbarkeit, Ungeduld und negativen Gedanken wie Selbstzweifeln, Schuldgefühlen und Hoffnungslosigkeit.
Auch körperliche Beschwerden sind charakteristisch für Burnout, darunter:
- Schlafstörungen und chronische Erschöpfung
- Kopf- und Rückenschmerzen
- Darm-Magen-Problematiken (wie z. B. Reizdarmsyndrom, Übelkeit)
- Kreislaufstörungen und Herzklopfen
- Tinnitus oder andere auditive Schwierigkeiten
- Immunsystem beeinträchtigt (oft auftretende Infektionen)
In späteren Phasen können sich Depressionen, Angststörungen und schwere körperliche Krankheiten herausbilden. Es ist daher entscheidend, Warnsignale frühzeitig zu beachten und geeignete präventive oder therapeutische Maßnahmen zu ergreifen.

Ursachen für berufliches Burnout
Berufliches Burnout kann durch eine Vielzahl von Ursachen hervorgerufen werden, die sowohl auf individuelle als auch auf arbeitsbezogene Aspekte zurückzuführen sind. Stress und Überlastung sind zwar entscheidend, aber auch die Persönlichkeit, Charakterzüge und das soziale Umfeld haben Einfluss auf das Risiko, an einem Burnout zu erkranken.
Berufsbedingte Faktoren: Burnout kommt besonders häufig in Berufen vor, die mit einer hohen emotionalen Belastung und intensivem Kontakt zu Menschen verbunden sind, wie beispielsweise bei Lehrern, Pflegekräften, Sozialarbeitern oder im Dienstleistungssektor. Allerdings können auch Mitarbeiter in anderen Sektoren, wie etwa der IT oder dem Finanzwesen, betroffen sein – vor allem dann, wenn der Druck auf die Arbeit hoch ist und es kaum Erholungsmöglichkeiten gibt.
Individuelle Faktoren: Einige Eigenschaften erhöhen die Wahrscheinlichkeit für ein Burnout. Besonders gefährdet sind Menschen, die ein geringes Selbstwertgefühl, Perfektionismus, hohe Selbstkritik oder eine Neigung zur Selbstaufopferung aufweisen. Wer das Gefühl hat, unersetzlich zu sein, oder dem Delegieren von Aufgaben Probleme bereitet, erhöht seine Gefährdung. Fehlende Bewältigungsstrategien sowie die Unfähigkeit, sich von der Arbeit abzugrenzen, können zudem zur chronischen Erschöpfung beitragen.
Zwischenmenschliche Ursachen: Schwierigkeiten im beruflichen Umfeld erhöhen ebenfalls das Burnout-Risiko. Sie können in zwei Hauptgruppen kategorisiert werden:
Mitarbeiter-Klienten-Beziehung: Personen in beratenden oder unterstützenden Berufen, die eine hohe emotionale Betroffenheit für die Probleme anderer aufweisen, können schneller an ihre Grenzen kommen.
Umgang mit Chefs und Mitarbeitern: Fehlende Wertschätzung, schlechte Kommunikation, Mobbing oder Konflikte können häufig Stress verursachen und zu Frustration und Erschöpfung führen.
Organisatorische Ursachen: Die strukturellen Gegebenheiten am Arbeitsplatz sind entscheidend für die Entstehung von Burnout. Das umfasst:
- Mangelnde Perspektiven für berufliches Vorankommen und für persönliche Weiterentwicklung
- Nachteilige physische Arbeitsumgebung
- Hohe Arbeitslast und ineffiziente Methoden
- Unzureichende Unterstützung von Seiten der Vorgesetzten und mangelhafter Führungsstil
- Monotone oder bedeutungslose Arbeiten
Wenn mehrere dieser Faktoren zusammentreffen, erhöht sich die Gefahr eines Burnouts erheblich. Deshalb sind präventive Maßnahmen von großer Bedeutung, wie eine gesunde Work-Life-Balance, Techniken zur Stressbewältigung und eine offene Kommunikation am Arbeitsplatz.
Beruflicher Burnout – Folgen
Das berufliche Burnout-Syndrom entwickelt sich schleichend über einen längeren Zeitraum und kann sowohl die psychische als auch die physische Gesundheit erheblich beeinträchtigen. Betroffene leiden unter anhaltender emotionaler Erschöpfung, chronischem Stress und einer wachsenden mentalen Distanz zu ihrer Arbeit. Ohne rechtzeitige Intervention kann Burnout nicht nur zu einem Rückgang der Leistung und Demotivation führen, sondern auch ernsthafte gesundheitliche Konsequenzen nach sich ziehen.
Psychische Folgen: Betroffene empfinden häufig eine innere Leere, sind reizbar und leiden unter anhaltender Depression. In zahlreichen Fällen entstehen Angststörungen, Depressionen oder Panikattacken. Zusätzlich mindern Schlafprobleme und Konzentrationsschwierigkeiten die Lebensqualität und machen den Alltag schwerer zu bewältigen.
Physische Folgen: Das Syndrom kann erhebliche Auswirkungen auf den physischen Körper haben. Die häufigsten Beschwerden sind:
- Erschöpfung und chronische Ermüdung
- Herz-Kreislauf-Probleme, gesteigertes Risiko für Bluthochdruck und koronare Herzkrankheiten
- Rückenschmerzen, Muskelverspannungen und Kopfschmerzen
- Darmbeschwerden wie Reizdarmsyndrom oder Verdauungsstörungen
- Immunsystem, das geschwächt ist, Atemprobleme und häufige Infektionen
Auf lange Sicht kann Burnout auch das soziale Leben erheblich beeinträchtigen, da sich Betroffene häufig zurückziehen und Schwierigkeiten haben, zwischenmenschliche Beziehungen aufrechtzuerhalten. Daher ist es von Bedeutung, Warnhinweise rechtzeitig zu identifizieren und geeignete präventive sowie therapeutische Maßnahmen zu treffen.
Behandlung von Burnout
Da Burnout eine individuelle Reaktion auf Arbeitsbedingungen, Stress oder emotionale Belastungen ist, muss die Behandlung bei einem beruflichen Burnout stets maßgeschneidert erfolgen. Statt einer einheitlichen Standardtherapie ist es entscheidend, eine individuell angepasste Behandlung für den Betroffenen zu gestalten. Die Problemwahrnehmung ist der erste Schritt in die richtige Richtung: Der Mensch muss sich eingestehen, dass er Hilfe braucht. Diese Hilfe sollte stets von professioneller Art sein.
Im Frühstadium des Burnouts kann eine frühzeitige therapeutische Intervention, wie Gespräche mit Psychologen oder Beratungen, dazu beitragen, das Risiko einer weiteren Verschlechterung zu verringern und effektive Präventionsmaßnahmen zu ermöglichen. Wird das Burnout hingegen nicht rechtzeitig erkannt oder behandelt, verringern sich die Heilungschancen erheblich und der Heilungsprozess verlängert sich.
Auch ist es von Bedeutung, dass die Betroffenen sich Zeit für sich selbst nehmen. Bei Müdigkeit ist es wichtig, sich genügend Ruhe zu gönnen, während bei Schläfrigkeit Schlaf erforderlich ist. Eine gesunde Lebensweise, die eine ausgewogene Ernährung und regelmäßige Bewegung umfasst, ist entscheidend für den Heilungsprozess. Auch sollte man regelmäßige Arbeitspausen einplanen und den Urlaub nutzen, damit der Körper sich ausreichend regenerieren kann. Es ist wichtig, in der Freizeit bewusst Abstand von der Arbeit zu halten. Es empfiehlt sich zudem, nach Aktivitäten Ausschau zu halten, die Freude und positive Energie bringen.
Fazit
Ein beruflicher Burnout ist eine ernstzunehmende Belastung, die nicht ignoriert werden darf. Um rechtzeitig zielgerichtete Maßnahmen zu ergreifen, ist es entscheidend, die Symptome frühzeitig zu identifizieren und ein Verständnis für die zugrunde liegenden Ursachen zu entwickeln. Wenn geeignete Präventionsstrategien und wirksame Bewältigungsmechanismen angewendet werden, können Betroffene nicht nur den Zustand überwinden, sondern auch langfristig in ein gesundes und erfülltes Arbeitsleben zurückkehren. Um das Burnoutrisiko zu verringern, ist es wesentlich, sich rechtzeitig Hilfe zu besorgen und einen ausgewogenen Umgang mit den beruflichen Anforderungen zu entwickeln.