Denn die berufliche Seite ist nicht alles, was zählt!

12 Februar 2024
4 minuten

Die Stärke von Auktionsportalen und Online-Shops liegt nicht nur in der Möglichkeit, mehr über ein Produkt zu erfahren. Produktbeschreibung, technische Parameter und Preis – das ist es, wonach wir heute suchen, bevor wir kaufen.

Wie ‚kauft‘ man einen Arbeitgeber?

Einkaufen kann spontan oder sehr bewusst sein. Wenn wir die Produkte in Online-Shops sorgfältig vergleichen, aber auf den ersten Blick keine signifikanten Unterschiede feststellen können, beginnen wir, uns für die Bewertungen anderer zu interessieren. Wir interessieren uns dann nicht nur für die Qualität des Artikels, den wir kaufen, sondern auch für die Art des Service oder die Pünktlichkeit der Lieferung. Ein anderes Beispiel ist die Suche nach einem Hotel für einen Traumurlaub mit der Familie für 1-2 Wochen. Welches Hotel soll es sein? Welches Essen wird serviert? Wie ist die Infrastruktur des Hotels? Gibt es spezielle Angebote/Attraktionen? Die Beispiele könnten endlos fortgesetzt werden.

Wir versuchen jedoch immer, das mögliche Risiko einer falschen Wahl der Einrichtung, des Produkts oder der Dienstleistung zu verringern, indem wir uns auf die Meinung anderer stützen. Untersuchungen von Solomon Ash haben bereits bestätigt, dass wir es vorziehen, uns dem Verhalten anderer anzupassen, aus Angst, eine falsche Entscheidung zu treffen.

Und was passiert, wenn wir vor der Wahl unseres – vielleicht „Traum“-Arbeitgebers stehen? Genau dasselbe.

„Brand Touchpoints“ – Was ist ein Touchpoint?

Es gibt den Begriff „Brand Touchpoints“, der im Bereich der Customer und Candidate Experience praktisch dasselbe bedeutet. Er bezieht sich auf einen Kontaktpunkt, der den Kontakt zwischen der Marke und dem Kunden (Bewerber) ermöglicht. Es kann viele Berührungspunkte mit einer Marke geben: Social Media, Website, Werbung, Influencer, Markenbotschafter, Events, Umfragen, Newsletter, Treueprogramme oder Online-Foren. Bei der Jobsuche nutzt ein Bewerber heute durchschnittlich sechzehn Informationsquellen, darunter die Marktposition des Unternehmens, die Meinung ehemaliger Mitarbeiter, abgeschlossene Projekte oder sogar den Standort des Büros.

Nicht wenige Bewerber prüfen die Bewertungen der Arbeitgeber, bevor sie ihren Lebenslauf einreichen. Die Arbeitgeber sind sich dieser Tendenz der Bewerber zunehmend bewusst und wissen, dass Bewertungen heutzutage einen großen Einfluss darauf haben, wie ein Unternehmen als Arbeitgeber wahrgenommen wird. Viele haben jedoch keine Strategie für die Online-Präsenz ihrer Arbeitgebermarke.

Die drei Säulen eines guten Arbeitgebers

Es ist sinnvoll, auf mindestens drei „Touchpoints“ zwischen Bewerber und Marke aufzubauen, die die Grundlage für die weitere Employer Branding-Arbeit bilden. Diese sind:

  • Stellenanzeigen – sind sie auf die Persona zugeschnitten, die wir ansprechen wollen, wie sieht das Layout aus und wie konsistent ist unsere aktuelle Anzeige mit dem Branding. 
  • Karriereseite – Benutzerfreundlichkeit, Navigation, Reaktionsfähigkeit, Keywords, aber vor allem die Erzählung, die Konkretheit der Botschaft, der relevante Inhalt aus Sicht des Bewerbers. All dies natürlich vor dem Hintergrund der direkten Konkurrenz, mit dem Ziel, sich einen Vorteil zu verschaffen.
  • Online-Bewertungen des Arbeitgebers – welche Kommentare finden sich in populären Foren oder Social Media, was sagen aktuelle und ehemalige Mitarbeiter über die Arbeitgebermarke? Und schließlich, ob der Arbeitgeber systematisch sowohl auf positive als auch auf negative Kommentare antwortet.

Das Wort, das hier erscheinen sollte, ist OBJEKTIVISMUS. Denn nicht alles, was in Foren über unsere Marke geschrieben wird, ist wahr. Aber auch nicht alles, was wir in unseren Stellenanzeigen oder auf unserer Karriere-Website schreiben, ist wahr. Es gibt immer noch das Phänomen, dass Arbeitgeber ihre Marke wollen und ihr Arbeitsumfeld glorifizieren. Deshalb ist eine weitere Kontrollvariable so wichtig – das persönliche Gespräch (die so genannte qualitative Forschung) mit einer Stichprobe ausgewählter Arbeitnehmer.

Was wird damit erreicht? Um das, was in der virtuellen Welt passiert, mit dem zu konfrontieren, was in der Realität passiert (eine Umfrage über die Stimmung der Marke unter den derzeitigen Mitarbeitern – und Enthusiasten). Eine solche Aktion dient lediglich dazu, den besagten OBJEKTIVISMUS einzuführen. Aber wie schaffen wir ein OBJEKTIVES Bild unserer Marke in den Augen der Bewerber, die heutzutage oft schwer zu finden sind? Wie bringen wir unsere vielleicht zukünftigen Talente dazu, endlich zu einem Vorstellungsgespräch zu erscheinen?

Fazit

Eine Karriereseite ist nicht alles! Das Internet ist heute ein lebendiges Medium (Social Media, Online-Foren). Wenn wir als Arbeitgeber heute nicht dabei sind (oder so tun, als würden wir nicht bewusst verfolgen, was über uns geschrieben wird, und darauf reagieren), dann nehmen wir bewusst die Tatsache an, dass dieser sehr bewusste Kandidat – entweder nicht zum Vorstellungsgespräch kommt oder den Einstellungsprozess irgendwann abbricht, weil… die Meinungen anderer eine starke Macht und Bedeutung haben.